Ein Anliegen der BGF ist es, die MitarbeiterInnen anzuregen, in ihrem Leben und Arbeiten die richtige Balance zu finden. So möchte ich diesmal einige Gedanken mitgeben, die Peter Abel (Leiter der Arbeitsstelle für pastorale Fortbildung und Beratung im Bistum Hildesheim) Spielregeln für mehr Gelassenheit im Beruf nennt.
Diese Anregung sind dazu gedacht, eigene, persönliche „Handlungsanweisungen“ für mehr Lebensfreude im Alltag und Beruf zu formulieren.
- Mich nicht hetzen lassen, sondern wahrnehmen und Zeiten der Ruhe pflegen.
Oft genug stresst der Berufsalltag. Es braucht „Gegenräume“, in denen ich innehalte. Gegen die Selbstausbeutung gönne ich mir Zeit für mich selbst. Ich achte auf meinen Körper und erkenne, wo er mir Signale von Stress und Erschöpfung anzeigt. Ich lasse meine Gefühle zu – Hoffnungen und Ängste, Trauer und Sehnsüchte, Aufgewühltsein und Gelöstheit gehören zu mir. Ich nehme meine Gedankenbewegungen wahr – ob sie mich umhertreiben oder in die Tiefe führen, ob ich im Trüben fische oder mit mir im Klaren bin. Ich lasse meine inneren Erfahrungen zu und öffne so mein Herz für mich. Daher sind Zeiten, Orte und Rituale wichtig, an denen ich für mich aufmerksam sein kann. - Mich nicht vergessen, sondern mich um mich sorgen.
Meine Bedürfnisse haben ebenso Berechtigung wie die Verantwortung für andere, die Zeit für mich braucht es ebenso wie Hingabe und Dienst, Einkehr ebenso wie Engagement – passgenaue Selbstsorge steht an. So braucht meine Seele Räume, in denen ich wachsam auf mich achte. - Mich nicht im Negativen aufhalten, sondern mich selbst wertschätzen.
„Ich mag mich mit meinen Stärken und Schwächen.“ Diesen Satz auszusprechen in innerlich zu bejahen fällt mir oft schwer. Die Belastungen des Alltags verhindern, dass ich mich selbst positiv sehe. Manchmal werde ich mir meiner Grenzen bewusst; lebensverhindernde Bilder und Blockaden werden sichtbar. Es gibt wunde Punkte, die mich in meiner Lebenssicht gefährden. Doch auch in den Schattenseiten verbirgt sich Lebenskraft. Wahre Wünsche, die meinem Wollen Klarheit geben, die Gewissheit, dass ich Gutes tue, Stärken, durch die ich etwas schaffe, wie auch die Zuversicht in das Leben tragen mich. - Mich nicht in der Geschäftigkeit verlieren, sondern meinen inneren Weg einüben.
Innere Antreiber bringen mich von mir weg. Benedikts Weg des Hörens, Annehmens und Erfüllens bestärkt mich, dass ich mein Leben als einen schöpferischen Prozess wahrnehme. Immer wieder übe ich diesen Dreischritt, lasse mich auf Veränderung ein. Ich lerne, meine Wirklichkeit anzunehmen. Ich heiße den Wandel willkommen. Es gibt Wendepunkte in meinem Leben – Menschen, Momente, Aktionen -, die mich zum Guten führen. Ich nehme mir Zeit, um die wichtigen Erfahrungen zu erfassen, die mich verändert haben und mich verändern. So finde ich zur Erzählung meines Lebens und einen tieferen Sinn hinter den Dingen. - Mich nicht von außen bestimmen lassen, sondern herausfinden, was ich will.
Visionen beleben. Schon früh hat man mir ein Drehbuch für mein Leben mitgegeben. Wichtige Personen wie auch meine Umwelt haben mich geprägt. So entstand ein Bild vom größeren Zusammenhang meines Lebens, in das ich meine Werte und Glaubenshaltungen aufgenommen habe. Diese Bild prägt meine Vorstellung, wie ich leben möchte und welche Ziele ich durch mein Tun erreichen will. Ich spüre meiner Geschichte, meinen inneren Bildern und Zukunftserwartungen nach. Ich will dabei voller Zuversicht und Mut sein. Ich will meiner inneren Stimme folgen und meiner Lebenskraft trauen. - Mich nicht isolieren, sondern mit anderen unterwegs sein.
Meinen Weg muss ich nicht alleine gehen. Unterstützende Beziehungen und Gemeinschaft sind tragende Lebenssäulen. Sie geben mir emotionale Hilfe. Durch meine Arbeit sorge ich dafür, dass ich für andere ein Segen werde. Dann diene ich wirklich. Ich will die Menschen achten, die durch ihre Wertschätzung mein Vertrauen stärken. - Mich nicht von der Arbeit vereinnahmen lassen, sondern das Heilige im Profanen entdecken.
Gestalteter Alltag ist spirituelle Praxis. Menschenfreundlichkeit und Gottsuche sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Lebensfreude bewährt sich in den alltäglichen Dingen. Gottessehnsucht offenbart sich in der Art und Weise, wie ich lebe: Wie ich zu mir komme, zuversichtlich arbeite, Beziehungen gestalte, mein Lebensfundament finde, die Welt um mich herum gestalte – alle diese inneren Haltungen offenbaren, dass das benediktinische Ora et Labore, das Innehalten und Arbeiten, kein abgehobenes Programm ist. Der Wechsel zwischen innerer Ruhe und Arbeit stärkt in mir das Gefühl, dass das, was ich tue, sinnvoll und von einem größeren Ganzen getragen ist. Dann kann ich dankbar leben und arbeiten. Der Alltag, mein Leben und Arbeiten, wird zum Kraftraum meiner Spiritualität. Ich kann gut organisiert leben und geistlich zugleich sein.
Test aus: Peter Abel, Keine Zeit für Burnout! Vom Arbeitsstress zur Herzensruhe. Vier-Türme-Verlag. Münsterschwarzach 2012.
Hier steht dir der gesamte Text auch als .pdf zum download zur Verfügung.
(Quelle: Mag.a Hermine Szyhska, Gesundheitsbeauftrage Pastorale Berufe)